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Feuersetzen

aus Zschocke, Karl & Preuschen, Ernst (1932): Das urzeitliche Bergbaugebiet von Mühlbach-Bischofshofen. - Materialien zur Urgeschichte Österreichs Band 6; S. 250 - 252; Wien.

3. Abschnitt.

Kurze Darstellung des Bergbaues im Rammelsberge und der Hüttenprozesse am Communion-Unterharze

von Bruno Kerl, Hüttenmeister und Lehrer an der Bergschule zu Clausthal.

(Berg- und hüttenmännische Zeitung [Freiberg] 1853; Auszug der auf das Feuersetzen bezüglichen Stellen.)

Der Rammelsbergsche Bergbau.

In den Grauwackenschiefern des ¼ Stunde südlich von Goslar sich erhebenden Rammelsberges ist das Erz in der ungefähren Gestalt einer Linse so eingelagert, daß die Länge derselben an 300 Lachter bei einer Richtung von Ost nach West beträgt, die größte Dicke (Mächtigkeit), welche im östlichen Felde liegt, aber 35—40 Lachter. Die Teufe, welche zu Tage ausgegangen ist, verflächt sich im Süden mit 45—60°, und zwar im westlichen Felde weniger steil, als im östlichen. Bei einer Tiefe von etwa 62 Lachtern spaltet sich die Lagerstätte und läuft in 2 Gabeln aus. Die obere nennt man das Hangende, die untere das liegende Trumm. Zwischen beiden liegt taubes Gestein. Das hangende Trumm hört bei 24 Lachter Tiefe ganz auf (keilt sich aus), während das liegende in die Tiefe fortsetzt und seine Endschaft noch nicht erreicht ist.

Man nimmt gewöhnlich an, daß sich der Betrieb des Rammelsberges noch 200 Jahre erhalten lassen wird, wenn man denselben in der bisherigen Weise fortführt.

Die Erze kommen meist ganz derb vor und bestehen aus Gemengen von Metallschwefelungen, mit denen wohl erdige Fossilien (Schwerspath, Kalkspath, selten Quarz) innig verwachsen sind, die sich zuweilen in schmalen Klüften (Steinscheiden) des Lagers in Begleitung von gediegenem Kupfer, Rothkupfererz, Kupferkies, Buntkupfererz, Fahlerz und Bleiglanz ausscheiden. An den Grenzen des Lagers im Hangenden ist das Erz mit dem Thonschiefer verwachsen; man nennt diese Parthien Kniest.

Folgende Erzarten werden gefördert:

1) Kupfererze, ein Gemenge von Kupferkies, Schwefelkies und Arsenikkies mit 4—6% Kupfer und ⅛—¼ Loth Silbergehalt im gerösteten Zustande.

2) Bleierze, im Liegenden im östlichen Felde, und zwar je nach den Beimengungen:

3) Melirte Erze mit 4—6% Blei. Gemenge von Kupfer- und Bleierzen, am Hangenden des Lagers.

Als Produkte secundären Ursprungs, welche der Rammelsberg noch liefert, sind anzuführen:

1) Brandstaub, Gemenge von Erzklein, Kohle und Schieferstückchen, beim Feuersetzen erzeugt; wird nach dem Verwaschen mit den Blei- und Kupfererzen verarbeitet.

2) Kupferrauch, sonst wohl Alter Mann genannt, von vitriolischen Gewässern imprägnirte, erhärtete Parthien von Erz- und Schiefertheilchen, womit die ausgehauenen Räume in früheren Zeiten versetzt worden sind.

Die Gewinnung des Erzes geschieht durch Feuersetzen mittelst Förstenbaues und durch Bohren und Schießen mittelst Förstenbaues auf die folgende Weise: Man geht vom Schachte ab in Entfernungen von 9—10 Lachtern mit Querschlägen bis ans Erzlager, treibt im Streichen desselben, halb im Thonschiefer, halb im Erze eine Strecke und setzt im Hangenden derselben nach und nach einen Holzstoß (Schrank) neben den andern. Gewöhnlich nimmt man zu einem Brande 2—3 Schränke. Das Holz wird möglichst rasch angebrannt, wobei die Flamme gegen das Hangende schlägt und durch das plötzliche Erwärmen das Gestein zur Ablösung bringt. Nachdem die lose hängenden Gesteinsläste am dritten Tage nachher mittelst Brechstangen hereingewonnen sind, zeigt sich das Hangende bogenförmig ausgehöhlt. Weil man die Brände, des erforderlichen Luftzutritts wegen, immer in 10—12 Zoll Entfernung über der Sohle anfangen läßt, so bleibt auf derselben ein eben so hoher, von der Flamme nicht getrof­fener Erzkeil stehen, welcher durch Bohren und Schiessen (Nachschießen der Stroßen) weggenommen wird, um wieder Raum zum Feuersetzen zu gewinnen.

Nachdem nun auch die Strecke nach oben durch einen Förstenbau mittelst Boh­rens und Schießens erweitert ist, bringt man dieselbe in Mauerung und fährt dann fort, das Lager mittelst Querbau’s durch Feuersetzen vom Liegenden nach dem Hangen­den zu und nach oben hin mittelst Förstenbaues durch Bohren und Schießen abzubauen. Damit die entstandenen Weiten nicht zu groß werden, führt man von Zeit zu Zeit parallel mit der gemauerten Grundstrecke vertikale Mauern auf, deren Zwischenräume mit tauben Gestein verstürzt werden, nur läßt man in gewissen Entfernungen mit der Grundstrecke, auf welcher die Förderung nach dem Schachte geschieht, communicirende Schächte offen, durch welche die Erze von den Abbaupuncten herabgestürzt werden.

Auf diese Weise geht man seitwärts bis zur Grenze des Lagers und nach oben bis nahe an die darüber liegende Etage mit der Vorsicht, daß man einen Erzdeckel stehen läßt, der dann mittelst Ortsbetriebes mit Getriebe weggenommen wird. Damit man möglichst wenig solcher Erzdeckel wegzunehmen hat, – was immer mit Schwie­rigkeiten verbunden ist, weil sich darüber alter Mann befindet, – läßt man in den einzelnen Etagen Erzpfeiler in solcher Anordnung stehen, daß ein treppenförmiger Ab­bau entsteht.

Nur auf den Tiefbauen ist dieser regelmäßige Abbau vorgerichtet, auf den oberen Bauen müssen die Erzparthien, welche die Vorfahren stehen gelassen haben, so gut es gehn will weggenommen werden, wobei man durch öfteres Aufmauern von Unter­stützungspfeilern die Weiten vor dem Zubruchegehen schützt. Das hangende Trum ist zum größten Theil schon abgebaut.

Zur Entfernung des beim Feuersetzen entstehenden Rauches sind an verschiedenen Stellen Wetterörter vorhanden, welche mit am Rammelsberge ausmündenden 4 Wetter­schächten (Schornsteinen) in Verbindung stehen, nämlich dem Sereniss. Tiefsten, Nach­tigaller, Voigtschen und Lüderfüller Wetterschacht. Für letzteren, welcher vor einigen Jahren ausgebrannt ist, benutzt man den Winkler Wetterschacht. Die durch das Feuern erwärmte Luft trocknet beim Durchziehen durch die alten abgebauten Räume deren Versetzungsmasse (Kupferrauch) aus und verhindert dadurch das Herabstürzen der­selben.

Die hereingenommenen größeren Erzstücke werden zerschlagen und schon in der Grube nach ihrer Qualität in Kupfererz, Bleierz, meliertes Erz und Kniest und nach ihrem Volumen in Stufferz und kleines Erz separirt, welche Scheidung über Tage vollendet wird. Beim Aufstürzen auf die Halde wird das Erz theilweise zerdrückt, die kleinern Stücke werden alsdann unter dem Namen Bergkern ausgehalten. Der Brandstaub, mit Kohle und Asche gemengtes Erzklein, wird über Tage einer weiteren Separation durch schräg gestellte Siebe unterworfen. Das Siebgrobe giebt Waschkern, das Siebfeine aber, nachdem dasselbe durch Verwaschen in einem Gerenne von Kohlen- und Aschentheilen befreit ist, auf Handsetzmaschinen Gräupel und (im Fasse) Schlieg. Diese Erzsorten werden in Scherbenhöhlen nach den einzelnen Hütten auf der Axt angefahren.

2. Maaßen und Gewichte.

1 Hannovr. Fuß = 12 Zoll à 12 Linien = 0,2921 Met.
1 Lachter = 8 Spann a 10 Zoll a 10 Theile = 6,5725 Hann. Fuß = 1,9198 Meter.
1 Hann. Cubikfuß = 0,02492 Cubikmeter.
1 Scherben = 4 Cubikfuß 526 ½ Cubikzoll Han.
1 Balgen = 3 Cubikfuß.
1 Karr. Kohlen = 10 Maaß a 10 Cubikfuß.
1 Malter = 80 Cubikfuß.
1 Schock = 60 Stück.
1 Centner = 100 Pfd. a 32 Lth. a 4 Quetch. = 46,7711 Kilogramm.
Quelle: Prähistorischer Bergbau im Raum Schwaz-Brixlegg, Edition Tirol, ISBN 3-85361-81-1, www.edition-tirol.com