Feuersetzen
aus Zschocke,
Karl & Preuschen, Ernst (1932): Das urzeitliche
Bergbaugebiet
von Mühlbach-Bischofshofen. - Materialien zur Urgeschichte Österreichs
Band 6; S. 250 - 252; Wien.
4. Abschnitt.
Beschreibung
des Bergbaues am Rammelsberge bei Goslar.
Von
Heinrich Ahrend, Königl.
Hannoverschem und Herzogt. Braunschweigschem Oberbergmeister
(Berg-
und hüttenmännische Zeitung [Freiberg] 1854; Auszug
der auf das Feuersetzen bezüglichen Stellen:)
Zu dem
Feuersetzen bedient man sich des fichtenen Kluftholzes, welches, wenn
es zu Förstenbränden verwendet werden soll, in Stößen
so aufgeschichtet wird, daß in jeder Reihe nur 4 Klüfte neben
einander zu liegen kommen. Zwei oder drei solcher Stöße, die
in Zwischenräumen von 2 bis 3 Fuß neben einander gestellt
werden, nennt man einen Brand. Nach der Verordnung dürfen diese
Stöße nie höher als 60 Zoll sein und müssen so hohe
Unterlagen erhalten, daß sie bis unter die Förste reichen,
wozu man Erzstücke, die sich schwer zerschlagen lassen, gebraucht;
durch die Hitze erhalten sie Risse und lassen sich alsdann leicht verarbeiten.
Zwischen die untersten Schichten der Stöße werden Splittern
und Späne gelegt, um das schnellere Anbrennen zu befördern.
Soll
ein Seitenbrand gesetzt werden, so legt man auf die Erzstücke
der Länge nach Holzklüfte, Splittern und Späne und auf
diese stellt man das Holz in zwei oder drei Abtheilungen, drei bis fünf
Klüfte hinter einander, schräg gegen die Strosse.
Der Feuerwächter mit seinem Gehilfen steckt des Sonnabends früh
von 8 bis 12 Uhr die Brände nach und nach an und wartet, bis sie
niedergebrannt sind, welches gewöhnlich in ½ Stunde der Fall
ist. Nur solche Brände dürfen zugleich angesteckt werden, die
auf einer Sohle liegen, oder solche, wovon der Rauch nach verschiedenen
Wetterschächten geleitet wird.
Wenn die Brände angesteckt sind, so wird durch die Flamme die äußere
Fläche des Erzes schnell erhitzt, während das innere Erz noch
kalt bleibt, wodurch ein Abspringen in Schalen von 2 bis 8 Zoll Stärke
bewirkt wird. Ist das Erz feucht, so erfolgt dieses zugleich durch die
entwickelten Dämpfe.
Bleibt Erz in losen Stücken an der Förste oder Seite sitzen,
so werden dieselben mit Stoßeisen, die 12 Zoll lang und an einer
Stange befestigt sind, und mit Brechstangen, die eine gestählte
Spitze und einen gestählten Ziegenfuß haben, in der nächsten
Montagsschicht von den Erzarbeitern losgebrochen und nebst den übrigen
gewonnenen Erzen mit einem großen, 12 bis 14 Pfd. schweren Fäustel
in Stücke von 3 bis 4 Zoll Länge und Breite und 3 Zoll Dicke
zerschlagen. Der gewonnene Brandstaub wird auf eine trockene Stelle gebracht.
Zu einem Brande gebraucht man ¾ bis 1¼ Matter Brandholz.
Die Wirkung hiervon ist sehr verschieden und kann von 5 Scherben bis
zu 2 Treiben betragen. Im Durchschnitte kann man rechnen, daß von
einem Förstenbrande 20 Scherben und von einem Seitenbrande 9 bis
10 Scherben, grobes Erz (Stufferz) erfolgt.
Man setzt die Brände entweder mit dem Streichen der Erze, oder mit
dem der Steinscheiden, indeß ist noch nicht ausgemittelt, welches
Verfahren am vortheilhaftesten ist, wahrscheinlich das erstere.
Zu dem Anstecken der Brände gehört eine genaue Kenntniß des
Wetterzuges, weshalb der Feuerwächter ein darin erfahrener Bergmann
sein muß.
Durch das Öffnen und Zumachen der Spunde (Wetterthüren) ist
man im Stande, die Wetter dahin zu leiten, wohin man sie haben will.
Der Rauch von den Bränden zieht in den vier Haupt Wetterschächten,
die zu Tage ausgehen, ab und wird denselben durch Wetterörter und
inwendige Wetterschächte zugeführt.
Des Montags früh vor dem Anfahren der Bergleute, welches wegen des
in der Clauskirche abzuhaltenden Gottesdienstes erst nach 8 Uhr geschieht,
muß der Feuerwächter mit dem Kunstknechte die Stellen nachsehen,
wo am Sonnabend Brände gestanden haben und die etwa noch glimmenden
Kohlen und die in Brand gerathenen kleinen Erzstücke ausgießen.
Sobald
eine Weite durch das Feuersetzen am Hangenden eine bogenförmige
Gestalt
angenommen hat, hört die Wirkung auf, und die an der Sohle stehenden Ecken,
die man Strossen nennt und gewöhnlich ⅝ Lachter hoch und ⅜ Lachter dick
sind, müssen mit Bohren und Schießen gewonnen werden, wozu man Gedingarbeiter
gebraucht. Wenn eine Weite mit Feuersetzen höher gebracht wird, so entstehen
auch Strossen am Liegenden, welche gleichfalls durch Gedingarbeiter weggeschossen
werden.
Früher wurden die Erze am Liegenden unterschossen, was man jetzt nicht mehr
thut.
Seit dem Jahre 1818 hat man das Feuersetzen wegen des Holzmangels sehr
vermindert
und den Grundsatz festgestellt, daß nur da Brände gesetzt werden dürfen,
wo ein erheblicher Nachtheil bei der Gewinnung der Erze mit Bohren und Schießen
sein würde. Vor 1818 betrug der Holzverbrauch jährlich 2300 Malter,
jetzt aber, wo wöchentlich nur 8 bis 12 Bränder gesetzt werden, beträgt
derselbe etwa 520 Malter.
Im Jahre 1819 wurden Versuche gemacht, Brände mit Torf aus dem Rothenbruche
zu setzen, die aber schlecht ausfielen. Die von den Torfbränden erhaltenen
Flammen waren zu kurz und der Torf wurde, sobald das Erz herabfiel, aus einander
geworfen, wodurch die Wirkung der Brände sogleich aufhörte. Nach den
damals aufgestellten Berechnungen hätte das zu Unterlagen und zum Anstecken
der Torfbrände verbrauchte Holz, wenn es allein verbrannt wäre, mehr
Erz geliefert, als der Erfolg der Torfbrände war.
Auch mit Waasen hat man im Jahre 1831 versucht, Brände zu setzen, was gleichfalls
ungünstig ausfiel. Es waren 10 Schock Knüppelwaasen zu diesem Zwecke
angeliefert, wovon man 4 Schock 10 Stück zu zwei Bränden, die auf der
Grube Nachtigall gesetzt wurden, verbrauchte. Der vorzüglichste Grund der
geringen Wirkung derselben lag in der ungleichen Stärke der Knüppel;
die dünnen brannten zu geschwind und ohne Wirkung weg und die einzelnen
noch brennenden Knüppel gaben keine hinlänglich große Flamme
mehr, weshalb man die Versuche nicht weiter fortsetzte und die übrigen noch
vorräthigen Waasen in den Wohnungen der Officianten verbrauchte.
Wegen der theilweise großen Festigkeit der Erze und um die Wärme im
Rammelsberge vorzüglich auf den oberen Bauen zu erhalten, wo Kupferrauch
gewonnen wird, der sich in der Kälte und der damit verbundenen Feuchtigkeit
auflöst, ist es nöthig, das Feuersetzen in der jetzigen Ausdehnung
beizubehalten und die Sprengarbeit nicht weiter auszudehnen.
In
früheren Zeiten mußten 2 Erzarbeiter in 2 Wochen ein Treiben
Erz gewinnen und erhielten hierzu 2 ²∕₃ Malter Brandholz, welches sie
nach Belieben
verwenden konnten. In den Weiten, wo die Erzgewinnung schwierig war oder wo die
Brände wenig wirkten, wurde noch ein Knecht oder ein Erzarbeiter zum Bohren
und Schießen zugegeben. Man arbeitete damals bei Tage und bei Nacht. Montags
früh wurde von dem Prediger der Frankenberger Kirche in der Clauskirche
von 6 bis 7 Uhr eine Betstunde gehalten, um 8 Uhr angefahren und bis 1 Uhr incl.
des Ein- und Ausfahrens gearbeitet. An den folgenden 4 Tagen dauerte die Frühschicht
von des Morgens 5 Uhr bis Mittags 1 Uhr; man ging dann nach Hause, kam aber um
6 Uhr wieder. Von 6 bis 7 Uhr wurde eine Betstunde im Zechenhause gehalten, nach
derselben fuhren die Steiger, Erzarbeiter und die 12stündigen Gedingarbeiter
ein, und schliefen bis 11 Uhr Mitternachts in einer mit Heu angefüllten
Liegestelle, die an einem warmen Punkte im Rammelsberge vorgerichtet war. Sie
wurden dann von den Knechten, die sich so lange im Zechenhause aufhielten, geweckt,
machten bis 4 Uhr eine Nebenschicht und schliefen wieder bis 5½ Uhr, wo
sie von dem Steiger zur Frühschicht geweckt wurden. Am Sonnabend dauerte
die Frühschicht von 5 Uhr bis 8 Uhr Morgens.
Von dem Jahre 1818 an, wo die Ersparung des Brandholzes eingeführt wurde,
setzte man den Gebrauch desselben auf die Hälfte herab und bewilligte den
Erzarbeitern, als Entschädigung, den Betrag der Kosten des ersparten Holzes,
wofür sie 12 Bohrschichten machten.
Die
Erzarbeiter, wozu auch die 5 Aufseher gerechnet werden, arbeiten die
Brände
ab, bohren dann gewöhnlich zweimännisch, schlagen die Erze in etwa
10 Pfd. schwere Stücke, reinigen den Brandstaub mit einem Kleinharken, dessen
Zacken einen Zoll auseinander stehen und stürzen die Erze in den Rollenschacht.
Sie fahren mit den Steigern zu gleicher Zeit an, machen dann ihre 6stündige
Frühschicht. Die frühere Sonnabendsschicht ist auf den Freitag Nachmittag
verlegt, sie dauert nur von 4 bis 5 Uhr, welche Zeit jedoch vollkommen zum Brandsetzen
hinreicht. Die Aufseher arbeiten selbst mit, besetzen die gebohrten Löcher
und schießen sie weg. Für die Frühschicht erhalten die Erzarbeiter
wöchentlich 1 Thlr. 4 gGr. und zum Geleuchte a Schicht 9 Loth Oel; die Aufseher
erhalten wöchentlich noch 9 gGr. für die Aufsicht. Nach der Frühschicht
folgt eine Liegestunde zum Essen, dann folgen, mit Ausnahme des Montags, 4 stündige
Nebenschichten, wovon jeder Arbeiter wöchentlich 4 bis 6 macht. Die Nebenschichten
werden zur Erzgewinnung (Erzschichten) und zur Kniestgewinnung verwendet und
pro Schicht mit 3 gGr. 6 Pf. und 7 Loth Oel bezahlt. Fehlt es an Nebenschichten,
so werden die Erzarbeiter zur Grubenförderung mit verwendet. Außer
diesen Arbeiten verrichten sie das Brandholzlaufen vom Füllorte in die Weiten,
wofür a Treiben zu 2 ¹∕₃ Malter für jede Weite eine der Entfernung
derselben
vom Füllorte angemessene Bezahlung festgesetzt ist. Auch wird ihnen eine
Weilarbeit verdungen, womit die Erzarbeiter wöchentlich 4 gGr. und die Aufseher
wöchentlich 8 gGr. verdienen können.
Der Feuerwächter gehört mit zu den 8 stündigen Gedingarbeitern;
er muß neben seinem Gedinge am Sonnabend von 8 bis 12 Uhr mit seinem Gehülfen
die Brände anstecken und des Montags früh gemeinschaftlich mit dem
Kunstknechte die von den Bränden noch vorhandenen Kohlen ausgießen
und die Wetterthüren öffnen, damit aller noch im Rammelsberge befindlicher
Rauch schnell abzieht, wofür er wöchentlich 1 Thlr. 3 gGr. 5 Pf. und
2 Pfd. 8 Loth Unschlitt erhält. Der Gehülfe bei dem Brandanstecken
erhält wöchentlich 6 gGr. 10 Pf. und 10 Loth Oel und der Kunstknecht
für die Hülfe bei dem Ausgießen 6 gGr. 10 Pf. und 28 Loth Oel.
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