Feuersetzen
aus Zschocke,
Karl & Preuschen, Ernst (1932): Das urzeitliche
Bergbaugebiet
von Mühlbach-Bischofshofen. - Materialien zur Urgeschichte Österreichs
Band 6; S. 250 - 252; Wien.
5. Abschnitt.
Anwendung von Cokes zum Feuersetzen
in Sachsen.
(Berg-
und hüttenmännische
Zeitung [Freiberg] 1865.)
Schon
seit den ältesten Zeiten wurde vor der Anwendung
des Schießpulvers zum Sprengen das Feuersetzen behufs Lockerung
des Gesteins angewandt. Es wurde jedoch eine Zeitlang als ein veraltetes
und deshalb weniger vorteilhaftes Verfahren hingestellt und nur der
alte Rammelsberger Bergbau am Harz war es, wo das Feuersetzen
noch Anwendung fand und die besonders harte Gesteinsbeschaffenheit
die Vorzüge des Feuersetzens im günstigsten Lichte zeigte.
Dennoch wurde diese Hülfsarbeit (welche freilich auch nie ganz
vollständig in Sachsen verworfen zu sein scheint) mit einzelnen
Verbesserungen in ihrem Detail in den Kupferkiesbergwerken zu St. Christophe,
unweit Breitenbrunn, unter der Leitung des Herrn Fikentscher wieder
aufgenommen, nachdem schon einige Jahre vorher von Herrn Clöter
Versuche darüber angestellt, jedoch zufolge des großen Brennmaterialverbrauches
dabei wieder aufgegeben waren. Jetzt hat man nun als Brennmaterial
Zwickauer Cokes angewandt und bedient sich derselben in folgender Weise:
Zwei
Stabeisenstangen von verschiedenem Durchmesser werden quer gegen die
Ortsstöße eingelegt und zwar der dünnere
nach vorn, so daß der Rost, welcher alsdann – von
20 Zoll langen Eisenstäben hergestellt – darüber gelegt
wird, sich dem Einbruche des Ortes zuneigt. In einer Entfernung von
8—10 Zoll von dem Einbruche wird auf dem Roste eine Mauer von
feuerfesten Steinen aufgeführt, deren unterer Teil Öffnungen
zum Anzünden des Feuers hat und welche außerdem oben an
der Firste noch mit einigen Löchern in Betreff des Luftzuges versehen
ist. In diesem so konstruirten geschlossenen Feuerraume brennt ungefähr
1 sächs. Scheffel = 1½ engl. Scheffel Cokes, im Betrage
von zwei Sgr., von 4 Uhr Nachmittags bis 5 Uhr Morgens, wo alsdann
die Mauer weggeräumt wird und man das Ganze sich abkühlen
läßt, indem man der Abkühlung noch durch Besprengen
mit Wasser zu Hilfe kommt. Gegen Mittag fängt das Gestein im Einbruch
ganz von selbst an, sich loszutrennen und es kann nach diesem noch
eine andere Portion hereingewonnen werden. Das Feuer wirkt dabei im
Allgemeinen bis zu einer Tiefe von 8 Zoll und man ist im Stande, mit
einem Scheffel Cokes etwa 16—24 Zentner Erz hereinzugewinnen,
was demnach 100% weniger Kosten verursacht, als wenn das Gestein durch
die Sprengarbeit hereingewonnen würde.
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