Die Gewerken Albert Boehringer, Josef Simon Kapferer, Martin Kapferer und Samuel Ephraim Meyer
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Herbert Samuel Simons (4.3.1891 — 31.3.1956)

von Christian Wolkersdorfer

Einleitung

Bankhaus SimonsDr.-Ing. Herbert Simons war von 1880 an Mitgewerke an der Silberleithe. Er interessierte sich für Geowissenschaften und leitete nach dem Tod seines Vaters Michael Simons das Bankhaus Simons & Co in Düsseldorf (Abbildung rechts). 1914 erhielt er an der Bergakademie Berlin (heute: TU Berlin) seinen Diplomingenieur und im Jahre 1923 promovierte er an der TH Aachen über Sulfiderzlagerstätten in Schweden ( (Abbildung rechts unten). Schließlich emmigrierte er 1934 nach London, wo er im Stadtteil Blackheath lebte. Dort begann er sich wieder für die Geowissenschaften zu interessieren. Am 6. März 1953 wurde er mit der Mitgliedsnummer 7580 in die Geological Society of London aufgenommen (Abbildung rechts im nächsten Absatz), nachdem er von 1910 bis 1933 Mitglied der Deutschen Geologischen Gesellschaft und von 1912 bis 1933 der Geologischen Vereinigung war. In keiner der beiden letzgenannten Gesellschaften ist etwas über seinen Zwangsaustritt im Jahr 1933 bekannt.

In seinem Nachruf, der in den Proceedings of the Geological Society, 1957, No. 1554 erschien, heißt es:

Aufnahmeurkunde Geological SocietyHerbert Samuel Simons, born in Germany on 4 March, 1891, spent his boyhood in Düsseldorf and entered the University of Freiburg im Breisgau in 1909 and the Berlin Mining Academy im the following year. After the First World War he was engaged in mine surveys in central Sweden and Lappland. He also studied at Aachen Technical College and there took his doctorate in engineering science. His thesis on the occurrence and structures of mid-Sweden sulphide ore deposits was published in 1924. During the next ten years he joined the family banking business in Düsseldorf but he left when the firm was “aryanized” in 1934 and turned again to mining and engineering. He surveyed bauxite deposits in India in 1936 and 1938, and after emigrating to England he was engaged in various industrial research laboratories, spending two years with G. Mellor and Company at Stoke-on-Trent. Eventually, in 1953, he found congenial and very useful work in the crystallographic laboratory under Professor Bernal at Birkbeck College and proved a very helpful member of the team there. One of the subjects on which he was working latterly was a study of the “fly ash” produced at modem power stations and the identification of its constituents. Cheerful in great adversity, he found in the end happiness and satisfaction in absorbingly interesting research. He became a Fellow in 1953 and died on 31 March, 1956. — W.C.S. [W. C. {oder E.} Smith]

Rehabilitierung

Titelblatt der Dissertation SimonsIm Jahr 1941 wurde Dr.-Ing. Herbert Simons von der TH Aachen (heute RWTH Aachen) aus rassistischen Gründen der Doktortitel aberkannt. Nachdem der Bergwerksverein diesen Sachverhalt bei seinen Recherchen festgestellt hatte, wurde am 29.7.2004 der Rektor der RWTH Aachen angeschrieben und angefragt, ob Dr. Simons zwischenzeitlich rehabilitiert worden sei. Am 3.11.2005 rehabilitierte der Senat der RWTH Aachen Dr.-Ing. Herbert Simons, der somit 64 Jahre nach seiner Aberkennung und 56 Jahre nach seinem Tod posthum seinen akademischen Titel zurück erhielt.

Der Senat der RWTH schreibt dazu:

Senat der RWTH Aachen rehabilitiert NS-Verfolgten

Aberkennung des Doktor-Titels war willkürliches und menschenverachtendes Unrecht

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit am Beispiel ausgewählter RWTH-Repräsentanten stand im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes im Historischen Institut, das in den Jahren 2001 bis 2004 unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Armin Heinen durchgeführt wurde (wir berichteten). Im Umfeld dieser Forschungsarbeiten kam auch zutage, dass an der RWTH Aachen während der NS-Zeit ein Doktor-Titel aus rein rassistischen Gründen aberkannt wurde. Der Senat der Hochschule hat in seiner letzten Sitzung den betroffenen Dr.-Ing. Herbert Simons in vollem Umfang rehabilitiert.

Im Jahr 1941 wurde die Hochschule vom Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung aufgefordert, hinsichtlich der Entziehung des Doktor-Titels Simons das Weitere zu veranlassen, da gegen den „Juden Herbert Israel Simons" ein Verfahren auf Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit eingeleitet worden sei. Darauf hin hat der für solche Angelegenheiten eingerichtete Ausschuss am 7. Oktober 1941 beschlossen, den 1923 von der Technischen Hochschule verliehenen akademischen Grad eines Doktor-Ingenieurs zu entziehen. Die Entziehung wurde mit der Veröffentlichung im Reichsanzeiger Nr. 243 am 17.Oktober 1941 wirksam. Die Aberkennung erfolgte somit aus rein rassistischen Gründen. Hierbei hat es sich um einen Unrechtsakt gehandelt, der von vornherein nichtig war.

Die Hochschule hat sich durch die Unterstützung der Promotion Ulrich Kalkmanns zur Geschichte der RWTH in der NS-Zeit, die Befassung mit dem Thema im Rahmen der Festschrift zur 125 Jahr-Feier sowie durch das von Professor Heinen durchgeführte Projekt mit dem Thema intensiv befasst. Ein weiterer Baustein in der Aufarbeitung der Vergangenheit ist die Rehabilitation von Dr.-Ing. Herbert Simons.

i. A. Christof Zierath

(November 2005)

und der Asta der RWTH schreibt dazu:

Späte Rehabilitation

Wer heutzutage einen akademischen Titel verliehen bekommt, der wird ihn in der Regel auch behalten. Doch das war nicht immer so: Während der NS-Zeit ordnete das Hitler-Regime in zahlreichen Fällen an, einen akademischen Grad abzuerkennen. Wer den Machthabern nicht passte, verlor seinen Titel.

So auch Dr. Herbert Simons. Er war Ingenieur an der RWTH - und Jude. 1941 folgte die Hochschule einer Aufforderung des zuständigen Ministeriums und entzog Simons die Doktorwürde. Dabei handelte es sich eindeutig um einen Unrechtsakt - die Aberkennung erfolgte nur aus rassistischen Gründen. Zu diesem Schluss kamen das Rektorat der RWTH sowie Dekan und Fachbereichsrat des Fachbereichs 5, die sich vor kurzem mit dem Fall befassten. Der Senat folgte daraufhin ihrer Empfehlung und stimmte der Rehabilitation von Dr. Simons zu. Auf seiner Sitzung am 3. November hat der Senat der Rehabilitation von Dr. Herbert Simons zugestimmt. Simons erhält somit posthum seinen 1941 aberkannten Promotionstitel zurück.

Quelle: AStA, erstellt: 19.11.2005, zuletzt geändert: 9.12.2005

[Ergänzung: Dr. Simons war kein Ingenieur an der TH Aachen, sondern hat dort lediglich seinen Doktortitel erhalten. Auch war Dr. Simons kein Verfolgter im engeren Sinne, sondern wanderte bereits kurz nach der Machtübernahme durch die NSDAP nach England aus. Sein Name erscheint in keiner der Listen der Zwangsausgebürgerten Juden Deutschlands. Weiterhin kam der Fall Dr. Simons nicht durch die eigenen Arbeiten der RWTH „zutage” (das Projekt der RWTH befasste sich ausschließlich mit den Rektoren, Ehrensenatoren, Namensgebern und Nobelpreisträger der der Aachener Hochschule), sondern durch einen Hinweis des Bergwerksvereins Silberleithe Tirol.]

Literatur von und über Herbert Simons

Kruk, M. (1989): Bankiers in ihrer Zeit – Die Männer von B. Simons & Co.. – Schriftenreihe – Institut für bankhistorische Forschung, 13: 1-210, 3; Frankfurt am Main.

Simons, H. (1923): Untersuchungen über Auftreten und Aufbau einiger mittelschwedischer Sulfiderzlagerstätten – Ein Beitrag zur Frage der Entstehung ‘intrusiver Kieslagerstätten’ I, II. – 263 S.; Aachen (unveröff. Diss. TH Aachen).

Simons, H. (1924): Untersuchungen über Auftreten und Aufbau einiger mittelschwedischer Sulfiderzlagerstätten – Ein Beitrag zur Frage der Entstehung 'intrusiver Kieslagerstätten'. – Z. f. prakt. Geol., 32 (1/2): 1-16; Berlin.

Simons, H., Wurzinger, H. & Thieme, K. (1925): Protokoll über die ordentliche Gewerkenversammlung der Gewerkschaft Silberleithen in Innsbruck, Hotel Kreis, Freitag den 27. März 1925, Vormittags 12 Uhr. – Mappe Silberleithen in der Berghauptmannschaft Innsbruck: 4, 4 Anl.; Innsbruck.

Kux-Schein der Berghauptmannschaft Hall für die Gewerkschaft Silberleiten
Siegel des Revierbergamts Hall auf einer Verleihungsurkunde
Epitaph der Biberwierer Pfarrkirche