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Mit Erztrog und Grubenhunt – Ehrwalder
Bergknappen schürfen nach Erzen
von Christian Wolkersdorfer
Bergbau war für zahlreiche Ehrwalder in den vergangenen 500 Jahren
immer wieder ein wichtiger Erwerbszweig. An der Sonnenspitze, am Tajakopf,
Igelskopf, Breitenkopf, im Brendlkar und am Brendlsee gab es Vorkommen
von silberreichen Blei- und Zinkerzen („Galmei“), die in
und um Ehrwald verhüttet wurden. Bleioxide verwendeten Ehrwalder
Töpfereien im 16. und 17. Jahrhundert für Glasuren, Zink brauchte
man für die Messingerzeugung sowie Zinkweißfarben und die
Bleierze fanden in den großen deutschen und tiroler Bleihütten
Verwendung, wo sie unter anderem der Silbergewinnung dienten.
Auf der Immenplatte bestanden spätestens ab dem 16. Jahrhundert
Bergwerke, von denen einige zeitweise dem Nürnberger Gewerken Dr.
Georg Kandler gehörten, und im 17. Jahrhundert betrieben Schwazer
Gewerken dort den Bergbau St. Anna. Kleinere, unbedeutendere Stollen
mit bis zu 8 Metern Länge befinden sich westlich des Seebensees.
Im Brendlkar gab es bis vor 30 Jahren einen offenen Schacht, der zum
Bergwerk des Georg, Dominik und Thomas Kränbither aus dem 17. Jahrhundert
gehört hatte. Dort wurde noch händisch mit Schlägel, Stuffeisen
(eine Art Meißel) und Bergeisen (Spitzhacke des Bergmannes) gearbeitet
und das Erz in die Erztröge gekratzt.
Am bedeutendsten für Ehrwald war der Bergbau im Igelskar, der vielen
Einheimischen und Urlaubsgästen zumindest aus der Ferne bekannt
ist, denn schon vom Igelsee aus zeigen sich die wenig bewachsenen Bergbauhalden.
Stollen und Schächte liegen auf 1475 Höhenmeter („Hermann
Stollen“), 1650 Höhenmeter (das 4 Meter tiefe „Welsche
Loch“), 2040 Höhenmeter an der Breitenkopfhütte („Oberbaustollen“)
und 2060 Höhenmeter. Möglicherweise begann der Erzabbau im
16. Jahrhundert, wie an vielen anderen Orten in Tirol. Seine letzte Blüte
erlebte der Ehrwalder Bergbau and der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
1894 erwarb die Firma Josef Hermann Dudek Söhne aus Bernsdorf/Oberlausitz
und Dresden-Blasewitz die Abbaurechte im Igelskar. Am 15. September 1900
begannen die Bergleute damit, die Lagerstätte zu erschließen.
Dazu trieben sie ca. 250 Höhenmeter unterhalb der Erzvorkommen den
etwa 1000 Meter langen Hermann Stollen in den dort vorkommenden Wettersteinkalk
vor. 1909 gelang die Verbindung zum höher gelegenen Stollen an der
Beitenkopfhütte, nachdem etwas mehr als 1100 Meter horizontale und
vertikale Strecken aufgefahren worden waren. Auch für den Wintersport
in Ehrwald lieferte der Bergbau im Igelskar einen Schub, denn der Betriebsleiter
Ing. Seifert lies seine Bergleute mit Skiern ausrüsten, um ihnen
die An- und Abfahrt zum Bergwerk zu erleichtern. Noch heute liegen im
Hermann Stollen Gleise und zerfallene Grubenhunte, welche die Bergleute
als Transportwagen zur Förderung des Erzes und Gesteins verwendeten.
Die Firma Dudek gehörte zum damaligen Zeitpunkt zu den angesehendsten
deutschen Zinkweißfabrikanten mit Produktionsstätten in der
heutigen Tschechischen Republik und in Sachsen. Max Dudek, der Sohn des
Hermann Dudek, war darüber hinaus Vorsitzender des Verbandes deutscher
Zinkweißfarben.
Welche Mengen an Erz die Firma Dudek aus dem 18 Hektar großen,
vier Grubenmaße umfassenden Bergwerk zwischen 1900 und dem Ende
des Abbaus 13 Jahre später förderte, ist nicht bekannt. Trotz
eines Zinkgehalts von 45—55 % arbeitete der Bergbaubetrieb vermutlich
nie wirtschaftlich, denn weder die geplante Materialseilbahn noch die
Erzaufbereitung am Geißbach wurden, anders als die Hochspannungsleitung,
jemals gebaut.
Einige Ehrwalder Bergknappen (darunter Mathias und Josef Hosp, Franz
Schennach und Thomas Steiner) arbeiteten bis 1921 im Blei- und Galmeibergwerk
der Gewerkschaft Silberleiten in Biberwier. Einen vorerst letzten Versuch,
Erz im Igelskar abzubauen, wagten im Jahre 1925 Eduard Hosp und Nicolaus
Bader, der in Biberwier zeitweilig auch nach Gold gesucht hatte.
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